Zwei perfekte Momente

Ich werde mit einem Kopfstoß mitten auf die
Nase geweckt.

Nein, so ganz stimmt das nicht. Mein Unterbewusstsein
spürte wie jemand unverschämt elegant auf die Bettkante gesprungen war.

Ich spüre Fell und einen freundlichen nicht zu
heftigen Stoß, rieche nasses Gras und spüre Feuchtigkeit auf meinem Gesicht.

Es ist kurz vor acht.

Schläfrig öffne ich nach einigen Sekunden
Minuten meine Augen – oder waren es Minuten?

Nur kleine Schlitze. Eigentlich schlafe ich
noch.

Ich liege auf der Seite, den Kopf halb auf den
ausgestreckten Arm, halb ins zerwühlte Kissen gebettet.

Mein Kater hat sich vor meinem Bauch
niedergelassen. Voller Vertrauen hat er sich ebenfalls langgemacht und sein
Bein ausgestreckt, seine Schnauze halb auf dem Bein halb auf dem Laken.

Er blinzelt mich schläfrig an. Nur kleine Schlitze.

Ein perfekter Moment. Eins mit mir, meinem pelzigen
Kumpel und zugleich dem ganzen Kosmos.

Dann beginnt mein blödes Hirn zu arbeiten.

Ich bemerke die Last meines Kopfes auf dem Arm.

Mein anfangs der Woche verrenktes Knie schmerzt
zwar nicht, aber ich frage mich ängstlich ob es das bei der geringsten Bewegung
wieder tun wird.

Meine Hüfte drückt sich ungewohnt in die Matratze
und zeigt erste Warnzeichen.

Ich ärgere mich. Diese blöde Selbstreflektion,
dieser Checkup des Zustands ruiniert alles!

Zum Glück döse ich über diesen Gedanken ein.

Es ist viertel nach acht.

Schläfrig öffne ich meine Augen. Nur Schlitze.

Mein Kater hat sich auf die Seite gelegt,
seinen Rücken an meine Hüfte gelehnt. Irgendwie reicht der winzige Druck um das
Unwohlsein wegen der Lage zu beseitigen.

Kein Gedanken an mein Knie.

Mein Arm kribbelt taub, auch nicht unangenehm.

Der Kater öffnet seine Augen nicht,
tatsächlich höre ich ein beruhigendes Rasseln. Er schnurrt oder schnarcht – mir
egal.

Ich erinnere mich an den letzten Moment.
Obwohl mir klar ist, dass ich ihn bald wieder vergessen haben werde, werde ich
das Gefühl dort für ewig in mir tragen.

Mir wird klar, dass gerade die Tatsache, dass
ich ihn ohne Reue vergessen kann, ohne ihn zu verlieren, dazu beiträgt, dass
der Moment perfekt ist.

Ich habe die Gewissheit, eine der wichtigen Weisheiten
des Universums erkannt zu haben.

Und das noch vor dem Aufstehen!

Ein weiterer perfekter Moment.

Ich döse weg.

Es ist kurz vor halb.

Mein Arm tut weh, meine Hüfte zwickt und als
ich meine Beine bewege, zeigt mir mein Knie an, dass ich auch heute wohl
humpeln werde.

Ich öffne meine Augen und sehe die Sonne von
den Bäumen am Hügel eingefangen.

Ein wundervoller Herbstwaldmorgen.

Mein Blick fällt auf den Kater der ebenfalls
seine Schläfrigkeit aus den Gliedern streckt.

Unsre Blicke treffen sich.

Es braucht keine Worte. Jetzt wird
aufgestanden!

er springt unverschämt elegant aus dem Bett
und wartet davor, bis ich steif und ächzend mein Übergewicht und diese Beine,
die gar nicht meine sein können, aus dem Bett gehievt habe.

Dann läuft er schnurstracks zu seinem
Futternapf und setzt sich davor. Kein fragender Blick, kein aufforderndes
Miauen, wie sonst.

Ich öffne ohne zu zögern wortlos einen Beutel
vom teuren Futter, was es nur zu besonderen Gelegenheiten gibt.

Er weiß, dass ich weiß:

Heute ist so eine besondere Gelegenheit.

Zwei perfekte Momente.